Der Teresianische Karmel

Teresa von Avila 


Teresa von Avila

Papst Paul VI. nannte Teresa von Avila "eine große, eine einmalige und doch so menschliche und anziehende Persönlichkeit", als er ihr im Jahr 1970 als der ersten Frau den Titel eines "Kirchenlehrers" zuerkannte. Teresa wurde am 28.Marz 1515 zu Avila in Spanien geboren und verbrachte Kindheit und Jugend im Kreis einer großen Geschwisterschar. Schon mit sechs Jahren war sie fasziniert vom Begriff "Ewigkeit". Sie uberredete den etwas alteren Lieblingsbruder und entschlossen brach sie mit ihm zu den Mauren auf, um dort zu sterben und ewig "Gott zu schauen". Ein Onkel brachte die Ausreißer wieder heim, doch die Sehnsucht blieb.
Im Alter von 21 Jahren verließ Teresa heimlich das Elternhaus und trat in das Karmelitinnenkloster ihrer Vaterstadt ein. Nach einem voll Eifer begonnenen Ordensleben fiel sie bald in eine schwere Krankheit und hielt sich nach der Genesung für berechtigt, einige Abstriche und Vorbehalte in ihrer Hinweihe an Gott zu machen. Damit wir uns recht verstehen : Teresa war stets eine gute Ordensfrau, aber in den genannten Jahren fehlte ihrem Leben das Letzte, das Totale. Nach mehr als 18 Jahren im Kloster entdeckte sie beim Anblick eines Bildes, das Jesus von Wunden bedeckt darstellte, ihre wahre Berufung : Braut und Gefährtin des armen und demütigen Christus zu sein. Nun verstand sie den Eifer fur die Kirche Christi als Folge wahrer Verbundenheit mit Gott im Gebet, in einem Gebet, das sich Gott rückhaltlos als Sein Eigentum und Werkzeug zur Verfügung stellt und das "nicht in vielem Denken, sondern in vielem Lieben" besteht.

Nachdem sich Teresa (im deutschen Sprachraum lautet die Schreibweise ihres Namens meist Theresia) mit "fest entschlossener Entschlossenheit" auf diesen Weg begeben hatte und auf ihm fortschritt, konnte Gott ihrem Leben den Reichtum geistiger Mutterschaft schenken. Am 24.August 1562 gründete sie das erste Kloster der durch sie reformierten, d.h. heißt zur Strenge der ursprünglichen Ordensregel geführten Karmelitinnen. Dieser ersten Gründung ihres Ordens zu Ehren des hl.Josef sollten noch viele folgen; die großen äußeren Schwierigkeiten und die damit verbundenen inneren Leiden dieser und der folgenden Jahre vernichteten ihre innere Glut nicht, sondern fachten sie vielmehr noch an. Als sie auf der Ruckreise von ihrer letzten Klostergründung am 4.0ktober 1582 in Alba de Tormes stirbt, ist sie die "madre" und eigentliche Gesetzgeberin einer neuen Ordensfamilie, deren Wurzeln weit in die Geschichte zurückreichen.

1614 wurde sie selig-, 1622 heiliggesprochen. 1922 verlieh ihr die Universität von Salamanca den Doktortitel honoris causa, 1965 wurde sie zur Patronin der spanischen Schriftsteller ernannt und 1970 erhielt sie - wie schon erwähnt - den Titel einer Kirchenlehrerin.

Der Charme und der feine Humor sowie die sprühende Freude Teresas sind gut bezeugt. Sie entsprangen ihrer großen inneren Freiheit, die ihr durch ihre vollige Hingabe an Gott eigen war. Sie war das Zentrum ihres Lebens, die Quelle all dessen, was Teresa war und tat. "Literarischer Genius von unglaublicher Fruchtbarkeit, Lehrerin des geistlichen Lebens" wurde sie von Papst Paul VI. genannt, und der Prior von Taize, Roger Schutz, meint "Mit Recht ist diese Frau immer ein klassisches Beispiel des kontemplativen (=beschaulichen) Menschen gewesen. Sie tätigte Grundstückskäufe, führte Besprechungen, schrieb, und zu gleicher Zeit führte sie ihr Leben innigster Vereinigung mit Gott."

Diesen Titeln gegenüber, die sich Teresa in ihrem keineswegs leichten und oft abenteuerlichem Leben "verdient" hat, sind zwei Fehlhaltungen zu vermeiden, die beide extrem und irrig sind. Die erste : man könne Teresa leicht "verstehen". Zwar sind ihre schriftlichen Werke durchaus verständlich abgefaßt, aber Teresa selbst, das Ge- heimnis ihres Lebens, ist keineswegs leicht zu verstehen, eben weil es ganz in Gott verborgen ist. Viele Bücher, die über sie geschrieben wurden und werden, zeigen die Größe dieser Schwierigkeit. Die zweite : Teresa sei so "groß", daß sie irgendwie unnahbar sei. Im Gegenteil : durch ihre volle und reife Menschlichkeit ist sie den Menschen unserer Tage sehr nahe.

 

TERESA WIRKT WEITER DURCH IHRE SCHRIFTEN UND DURCH IHRE TÖCHTER.

IHRE SCHRIFTEN : Neben den vier großen Werken Teresas (Weg der Vollkommenheit, Buch der Klosterstiftungen, der Seelenburg bzw. "Inneren Burg" sowie ihrer Autobiographie, die sie gerne "Buch der Erbarmungen Gottes" nannte), sind uns von ihrer Feder mehrere kleinere Schriften, Gedichte und an die 400 sehr lebendige Briefe erhalten. Teresa schrieb diese Aufzeichnungen in den freien Minuten, die ihre zahlreichen anderen Arbeiten ihr ließen (die Wendung "ich habe keine Zeit, das bisher Geschriebene durchzulesen" kehrt oft wieder), und sie schrieb fast alles auf Wunsch ihrer Vorgesetzten.

Alle Schriften Teresas sprechen vom Gebet und von der Bereitung dafür. Seit Teresa in ihrem eigenen Leben Gott gefunden hat, kann sie gar nicht mehr anders als einzig fur die Ehre Gottes zu arbeiten. Sie betont : "Ich schreibe nichts, was ich nicht selbst erfahren habe " und : "Wenn dem Herrn von einer einzigen Seele mehr gedient wird, ist es alle Muhe wert."  

Seit dem Tod Teresas im Jahr 1582 bis zum Jahr 1967 wurden ihre Schriften in 1212 Ausgaben veröffentlicht, und zwar in den folgenden Sprachen: Spanisch, Franzosisch, Italienisch, Englisch, Deutsch, Niederländisch bzw. Flämisch, Portugiesisch, Latein, Polnisch, Ungarisch, Arabisch, Katalanisch, Danisch, Baskisch, Griechisch, Japanisch, Serbokroatisch, Chinesisch, Koreanisch und in drei indischen Sprachen (Bengali,Malayalam, Tamili).

DIE SCHWESTERN

Teresa lebt aber auch in ihren Tbchtern, fur die sie die Mühe der Klostergrundungen auf sich nahm. In kleinen Gemeinschaften von etwa 20 Frauen soll den zu dieser Lebensweise Berufe- nen eine Lebensform ermoglicht werden, die ganz im Dienst des kontemplativen Apostolats steht. Das heißt : das innere Gebet, die Meditation, ist stets die erste Aufgabe, der sich alles andere unterordnet. Einsamkeit, Schweigen und Lebensstrenge sind Mittel zu einem steten Leben in der Gegenwart des lebendigen Gottes. IHM stellen sich die Schwestern total zur Ver- fugung nach dem Vorbild der Gottesmutter Maria. Dieses Zeugnis fur das Dasein und die Größe Gottes, das die Karmelitin sowohl in der Einsamkeit ihrer Zelle wie auch in der Gemeinschaft gibt, steht aber auch ganz und gar im Dienst der Brüder und Schwestern, deren innere und äußere Note im Gebet zu Gott getragen werden. Einen besonderen Platz nimmt dabei das Gebet fur die Priester und für die Ausbreitung des Glaubens ein. Durch handwerkliche, kunstgewerbliche und andere Arbeiten, die innerhalb des Klosterbereiches (Klausur) verrichtet werden, verdienen die Schwestern ihren lebensunterhalt. 

Teresa selbst gründete folgende Klöster:
1562 San Jose in Avila
1567 Medina del Campo
1568 Malagon und Valladolid
1569 Toledo und Pastrana
1570 Salamanca
1571 Alba de Tormes
1574 Segovia
1575 Beas und Sevilla
1576 Caravaca
1580 Villanueva de la Jara un Palencia
1581 Soria
1582 Granada und Burgos
1568 Duruelo
1569 Pastrana.

Beim Tod der Heiligen - 1582 - gab es bereits 17 Schwestern- und 15 Patresklöster des reformierten Karmel. In Österreich wurde das erste Kloster der "Unbeschuhten" (= reformierten) Karmeliten 1622 gegründet, das erste Schwesternkloster entstand 1629. Beide Gemeinschaften wurden in Wien errichtet.

Heute leben über 13.000 Schwestern in etwa 800 Klöstern auf allen fünf Kontinenten. Außer in Wien befinden sich österreichische Karmelitinnenkloster derzeit in Gmunden,Graz, Innsbruck, Linz, Mayerling, Himmelau (Kärnten), Mariazell, Rankweil, Bärnbach und Maria Jeutendorf.

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