
Gebet: Gebet ist das erste
und wichtigste Kennzeichen des Lebens im Karmel. Es umfaßt das kontemplative
Beten als "Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft und gern allein
zusammenkommen, weil wir sicher sind, daß er uns liebt" (Teresa von
Avila), sowie das Bemühen, ständig in der Gegenwart Gottes zu
leben, so daß auch alle Arbeiten, die verrichtet werden, von Gebet
durchdrungen sind. Das Gebet umfaßt also nicht nur die morgendliche
und abendliche Gebetsstunde, die im Tagesablauf vorgesehen sind, sondern
ist darüberhinaus eine Haltung steter Sammlung, ein Streben nach tiefer
Vereinigung mit Gott während des gesamten Tages. Das im Chor rezitierte,
oder gesungene Stundengebet und vor allem die tägliche Eucharistiefeier
nähren das Gebet der Karmelitinnen.
Kirchlich-apostolische Ausrichtung: Teresa wünschte, die Karmelitinnen möchten die volle Einigung mit Christus erstreben, um dadurch ihrem Gebetseinsatz für Kirche und Welt größere Wirksamkeit zu verleihen. Bezeichnend dafür ist die Ernennung der hl. The- rese von Lisieux zur Patronin der Missionen, wodurch die sonst meist verborgene Fruchtbarkeit karmelitanischen Lebens sichtbar wird. Teresa von Avila sah im Einsatz für die Kirche, besonders für die Heiligung der Priester, einen Hauptzweck unserer Berufung.
Evangelische Räte: Durch gottgeweihte Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam binden sich die Karmelitinnen nach dem Beispiel Christi einzig an Gott, um ihm ihre ganze Liebe zu schenken.
Maria: Marienverehrung prägt das gesamte Leben im Karmel seit den Zeiten der ersten Einsiedler, die ihre Kirche Maria weihten und sie zur Patronin wählten. Der Karmel ist durch und durch marianisch, was sich z. B. im Namen (Unbeschuhte Schwestern des Ordens der Allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel) ausdrückt, durch Skapulier und Hauptfest des Ordens (16. 7.: ULF vom Berge Karmel). Maria ist für die Karmelitin Vorbild des kontemplativeren Lebens, vor allem in ihrer Verborgenheit und Gottverbundenheit, ihrem Glauben, ihrer Liebe und ihrer Teilnahme am Erlösungsgeheimnis.
Einsamkeit: Ein Leben beständigen
Gebetes, wie es die Karmelitinnen führen, fordert eine bestimmte Umwelt:
Schweigen, Einsamkeit, Klausur. Das schon von der Regel betonte innere
und äußere SCHWEIGEN ist eine wesentliche Voraussetzung für
stete und intensive Sammlung. Eine Atmosphäre des Schweigens verlangt
nach EINSAMKEIT, in der Gott allein gesucht wird, um ihm zu lauschen und
sich seiner Liebe anheimzugeben. Um das Gebet in der Einsamkeit zu begünstigen,
ließ Teresa in den Gärten der Klöster Einsiedeleien errichten.
Sie sah jedoch nicht vor, das ursprüngliche Eremitentum des Ordens
wieder aufleben zu lassen. Die Schwestern leben heute in kleinen Gemeinschaften.
Teresa legte besonderen Wert auf die KLAUSUR. Sie sah in ihr eine
materielle Trennung von der Außenwelt, übernommen nicht als
Buße, oder Abwehr, sondern als Möglichkeit, sich von allem zu
lösen und jene innere Freiheit zu gewinnen, die Voraussetzung ist
für eine tiefe Vereinigung mit Gott.
Gemeinschaftsleben: Ist die Lebensform der Karmelitinnen auch stark von Zurückgezogenheit geprägt, so hat sie doch auch Anteil an den "Reichtümern" des Gemeinschaftslebens. Nach Teresa sollten die Kommunitäten wahre Familien sein, die sich durch kleine Zahl, schwesterliches Miteinander, Einfachheit, sowie durch geistliche Freiheit und Menschlichkeit auszeichnen.
KLEINE ZAHL: Die kleine Zahl (nicht mehr als 21 Schwestern) soll die familiäre Atmosphäre im Kloster begünstigen, wo alle einander gut kennen, einander lieben und helfen
SCHWESTERLICHES MITEINANDER: Die Liebe, letztes Ziel aller Normen, steht auch im Gemeinschaftsleben an erster Stelle. Sie fördert Frieden und Eintracht, Dienstbereitschaft, Liebenswürdigkeit im Umgang miteinander und gegenseitiges Verständnis.
EINFACHHEIT: Die Schlichtheit der Gebäude, der Einrichtungen und der Kleidung ist Ausdruck der traditionell einfachen karmelitanischen Lebensweise, in der alles auf das Wesentliche hinweisen soll. Wie die ursprüngliche Regel, so vermeiden auch die Konstitutionen eine Vielzahl von Anordnungen; sie beschränken sich auf das Wesentliche. Die große Einfachheit der ersten Väter lebt fort in der Offenheit und Wahrhaftigkeit der Schwestern, in der Zwanglosigkeit ihrer Unterhaltungen und in jener Freude, die sich in den Erholungsstunden (Rekreationen genannt) Bahn bricht und die ein wesentliches Element des Zusammenlebens in der Gemeinschaft ist.
Arbeit: Wie die Menschen
in der Welt, so sehen auch die Karmelitinnen sich verpflichtet zur Arbeit,
um für den Lebensunterhalt der Gemeinschaft beizutragen. Sie ahmen
dadurch Christus nach, der in Nazareth mit eigenen Händen arbeiten
wollte und nehmen an seinem Erlösungswerk teil. Die Art der Arbeit
ist angepaßt an die kontemplative Lebensweise und Ausdruck der Armut
und gegenseitiger Liebesdienste.
Aszese: Ein besonderes Kennzeichen karmelitanischer Aszese ist ihre Radikalität, die im Dienst des angestrebten Zieles steht, nämlich frei zu werden für die vollkommene Gottes- und Nächstenliebe. Wenn all das, was das tägliche Leben nach den evangelischen Räten an Verzicht und Loslösung auferlegt, in Liebe genutzt wird, trägt es bei zum Wachstum in der Liebe und wird zum Segen für Kirche und Welt.
1 -1 1/2 Jahre Postulat;
2 Jahre Noviziat;
zeitliche Profeß für 3 Jahre;
danach endgültige Bindung an den Orden und das Kloster durch ewige
Gelübde.
Voraussetzung für die Aufnahme in ein Karmelitinnenkloster sind vor allem entschlossene Antwort auf den Ruf Gottes zu einem Leben aus dem Glauben, das geprägt ist vom Bemühen, die evangelischen Räte vollkommen zu befolgen, um der Kirche zu dienen. Dazu sind physische und psychische Gesundheit erforderlich, sowie geeigneter Charakter, gewisse Intelligenz, um geistliche Dinge zu erfassen und ausreichend geistliche und menschliche Reife.
Unser Tagesablauf sieht etwa so aus:
05.00 Uhr aufstehen, Laudes, stilles Gebet
06.30 Uhr hl. Messe, Danksagung, Terz, Frühstück , Arbeit
(z. B. Haus- und Gartenarbeit, Verzieren von Kerzen, Kirchenwäsche)
10.30 Uhr Unterricht für die Kandidatinnen und Novizinnen
11.15 Uhr Sext, Mittagessen und gemeinsame Rekreation
13.00 Uhr Zurückgezogenheit in der Zelle
14.00 Uhr Non
14.30 Uhr geistliche Lesung
15.00 Uhr Arbeit
16.45 Uhr Vesper, stilles Gebet
18.00 Uhr Abendessen, gemeinsame Rekreation
19.30 Uhr Komplet, freie Zeit in Stille
21.00 Uhr Lesehore, Nachtruhe
Einmal im Monat halten wir einen "Anbetungssonntag", an dem wir keine gemeinsame Rekreation haben und abwechselnd Anbetung vor dem (von 9.00 bis 18.00 Uhr) ausgesetzten Allerheiligsten halten. Zur Entspannung, vor allem aber auch zur Vertiefung und Erneuerung des geistlichen Lebens, hat jede Schwester die Möglichkeit, sich an zwei Tagen im Monat noch mehr in die Einsamkeit zurückzuziehen; an einem der beiden Tage kann sie auch das Stundengebet alleine beten und die Arbeitszeit zum Basteln, Musizieren oder anderweitig nutzen. Der geistlichen Erneuerung dienen auch Exerzitien, die wir jedes Jahr gemeinsam halten (ein Priester gibt dabei Vorträge). Auch Einzelexerzitien sind bei uns Brauch: einmal im Jahr dürfen wir uns für ca. zehn Tage von allen Gemeinschaftsakten zurückziehen, mehr Zeit als gewöhnlich zum Gebet verwenden, aber auch für andere Dinge, die wir gern tun und die uns helfen, die karmelitanische Berufung mit neuem Eifer und größerer Liebe zu leben. Bücher, oder auch Kassetten mit geistlichen Vorträgen, sind uns in diesen Tagen willkommene "Begleiter" .
Wie oben erwähnt, ist der Karmelitenorden geprägt von Ausgewogenheit
zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft. Wir kennen nicht nur Tage der Zurückgezogenheit
und Stille, sondern feiern auch mit großer Freude Feste, spielen
Theater, singen und musizieren. Schon allein die Vorbereitungen dieser
Tage (gemeinsame Bastelarbeiten, das Einüben von Thea- terstücken,
. . .) schafft eine frohe, aufgelockerte Atmosphäre und läßt
uns in der Liebe zueinander wachsen.
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